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22. Oktober 2026

Grammatik: gewohnt und gewöhnt richtig verwenden

Die richtige Verwendung von „gewohnt“ und „gewöhnt“ führt regelmäßig zu Schwierigkeiten. Dieser Beitrag widmet sich der Frage, was die beiden Wörter unterscheidet und wie die richtige Verwendung gelingt.
Lektorat Schaupp, Lektorat und Korrektorat, René Schaupp, Fuchsstadt – Buchstaben

Ich bin es doch gewohnt …

Vor allem im mündlichen Sprachgebrauch werden die beiden Wörter gewohnt und gewöhnt miteinander verwechselt, da sie sich in ihrer Bedeutung und Verwendung sehr ähnlich sind. Zudem unterscheidet die beiden Wörter nur ein einziger Buchstabe. Im standardsprachlichen Bereich gibt es jedoch feste Regeln für diese beiden Wörter. Dieser Beitrag erklärt anhand von anschaulichen Beispielsätzen, wann und warum gewohnt oder gewöhnt zu verwenden ist und welche Unterschiede sich daraus in den Satzstrukturen ergeben.

Das Adjektiv gewohnt

Das Adjektiv gewohnt beschreibt einen vertrauten und bekannten Zustand. Es kann attributiv verwendet werden, steht jedoch zumeist in einer Konstruktion mit sein als Kopulaverb. Das, was man gewohnt ist, steht hierbei im Akkusativ.

»Das ist der gewohnte Gang.« (Es ist üblich, dass es so abläuft.)
»Er ist das frühe Aufstehen gewohnt.« (Es ist üblich, dass er früh aufsteht.)

In Satzkonstruktionen mit einem Infinitiv- oder dass-Satz, der ausdrückt, was man gewohnt ist, kann zusätzlich das Korrelat es hinzugefügt werden.

»Er ist [es] gewohnt, früh aufzustehen.«
»Sie sind [es] gewohnt, spät nach Hause zu kommen.«
»Wir sind [es] gewohnt, dass der Zug zu spät kommt.«

Vom Adjektiv gewohnt ist das Partizip II gewohnt des Verbs wohnen abzugrenzen. Es hat nichts mit einer Gewohnheit zu tun.

»Er hat einige Jahre in Freiburg gewohnt.« [Er hat dort gelebt.]

Das Partizip II gewöhnt

Bei gewöhnt handelt es sich um das Partizip II des Verbs sich gewöhnen. Im Gegensatz zum Adjektiv gewohnt beschreibt es den Prozess oder das Ergebnis einer Gewöhnung. Es steht ebenso in einer Konstruktion mit dem Kopulaverb sein und immer mit der Präposition an oder im Fall eines Infinitiv- oder dass-Satzes mit dem Adverb daran, um aufzuzeigen, woran man gewöhnt ist. Während das Reflexivpronomen sich aus der Grundform sich gewöhnen in der Schweiz regelmäßig geschrieben wird, fehlt es in Deutschland fast immer.

»Die Menschen sind an steigende Preise gewöhnt.«
»Ihr seid daran gewöhnt, montags einkaufen zu gehen.«
»Er ist daran gewöhnt, dass die Kinder nicht pünktlich sind.«
»Die Schweizer sind [sich] daran gewöhnt, dass der Gotthard verstopft ist.« (Schweizerdeutsch mit sich)

Zusammenfassung und Fazit

Obwohl sich gewohnt und gewöhnt sehr ähnlich sind, unterscheiden sie sich in ihrer Wortart sowie in ihrer Verwendung. Während das Adjektiv gewohnt einen Zustand beschreibt, drückt das Partizip II gewöhnt den Prozess oder das Ergebnis einer Gewöhnung aus. Der größte Unterschied in der Satzkonstruktion besteht darin, dass gewöhnt immer mit der Präposition an oder dem Adverb daran steht, um das, woran man gewöhnt ist, anzuführen. Im Gegensatz dazu steht das, was man gewohnt ist, im Akkusativ.

Adjektiv gewohnt

Zustand; mit Akkusativ in Sätzen mit sein als Kopulaverb

Das ist die gewohnte Vorgehensweise.
Die Kinder sind das frühe Aufstehen gewohnt.
Ihr seid [es] gewohnt, dass der Bus voll ist.
Er ist [es] gewohnt, den Müll rauszubringen.

Partizip II gewöhnt

Prozess oder Ergebnis einer Gewöhnung; mit an oder daran in Sätzen mit sein als Kopulaverb

Sie sind an laute Musik gewöhnt.
Er ist daran gewöhnt, abends zu arbeiten.
Wir sind daran gewöhnt, dass sich der Chef verspätet.

FAQ

Was beschreibt gewohnt?

Das Adjektiv gewohnt beschreibt einen vertrauten und bekannten Zustand. Es kann attributiv verwendet werden, steht jedoch meist in Sätzen mit sein als Kopulaverb. Das, was man gewohnt ist, steht im Akkusativ oder in einem Infinitiv- oder dass-Satz.

Das ist seine gewohnte Routine.
Sie ist das lange Schlafen gewohnt.
Die Schüler sind [es] gewohnt, dass der Lehrer zu spät kommt.

Was beschreibt gewöhnt?

Das Partizip II gewöhnt beschreibt den Prozess oder das Ergebnis einer Gewöhnung. In Sätzen mit sein als Kopulaverb steht es immer mit der Präposition an oder dem Adverb daran.

Er ist an frühes Aufstehen gewöhnt.
Sie sind daran gewöhnt, spät schlafen zu gehen.

Kann ich gewohnt und gewöhnt beliebig austauschen?

Auch wenn das im mündlichen Sprachgebrauch üblich ist, gibt es im standardsprachlichen Gebrauch feste Regeln, wann welches der beiden Wörter zu nutzen ist, da sie sich in ihrer Bedeutung und in ihrer Satzkonstruktion unterscheiden. Das Adjektiv gewohnt beschreibt einen Zustand, während das Partizip II gewöhnt das Ergebnis einer Gewöhnung ausdrückt.

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Lektorat Schaupp, Lektorat und Korrektorat, René Schaupp, Fuchsstadt – Portrait
René Schaupp
Lektor und Korrektor
Mitglied im Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren e. V.