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11. August 2026
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Grammatik: ihr/sein oder deren/dessen

Füttere ich ihre oder deren Katze?
Fährt die Nachbarin übers Wochenende in den Kurzurlaub und bittet darum, sich um ihre Katze zu kümmern, kann das bei besonders eigenwilligen Vertretern zu dem ein oder anderen Kratzer führen. Aber hat mir ihre oder deren Katze ein kleines Andenken hinterlassen? Dieser Beitrag erklärt den Unterschied und zeigt auf, wann welches Pronomen den Sinn am besten trifft.
Kurzer grammatischer Überblick
Schauen wir uns zunächst ein paar grammatische Merkmale an:
Wortart
Sowohl das Possessivpronomen in der dritten Person ihr/sein als auch das Demonstrativpronomen deren/dessen geben einen Besitz an und bestimmen dadurch ein Bezugswort näher. Sie antworten auf die Frage „Wem gehört etwas?“.
»Das ist seine Bürste! Sie gehört ihm.«
Besitz ist in diesem Zusammenhang eher im Sinne einer Zugehörigkeit zu verstehen:
»Das ist seine Schwester.«
Deklination
Possessivpronomen richten sich in ihrer Form nach der Person, dem Numerus, dem Genus und dem Kasus des Bezugsworts. In diesem Beitrag geht es ausschließlich um die Pronomen der dritten Person – ihr/sein und deren/dessen –, sodass auf eine ausführliche Erläuterung zur Deklination im Einzelnen verzichtet wird. Nachfolgend wird anhand von Beispielen kurz aufgezeigt, welches Pronomen für welches Genus und für welchen Numerus verwendet wird.
| Genus | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Maskulinum (der Mann) | sein/dessen Geldbeutel | ihr/deren Geldbeutel |
| Femininum (die Frau) | ihr/deren Teller | ihr/deren Teller |
| Neutrum (das Tier) | sein/dessen Unterschlupf | ihr/deren Unterschlupf |
Unterschied in der Bedeutung
Standardmäßig wird das Possessivpronomen ihr/sein verwendet, um einen Besitz anzuzeigen. Es bezieht sich auf die handelnde Person (Subjekt) des Satzes.
»Der Mann holt sein Kind von der Schule ab.«
»Die Frau holt ihr Kind von der Schule ab.«
In beiden Sätzen ist unmissverständlich, worauf sich das Possessivpronomen jeweils bezieht. In diesem Fall – das Kind gehört zum Mann bzw. zur Frau – benutzt man nie deren/dessen.
»Der Mann holt ihr Kind von der Schule ab.«
»Die Frau holt sein Kind von der Schule ab.«
Obwohl beide Sätze grammatikalisch korrekt sind, wissen wir ohne Kontext nicht, zu wem das Kind jeweils gehört. Wir können zwar auf das Genus des Bezugsworts schließen, kennen es jedoch nicht.
Wozu benötigen wir dann deren/dessen? Betrachten wir die folgenden Sätze:
A: »Julian holt Marius zu Hause ab und die beiden treffen sich im Schwimmbad mit seiner Freundin.«
B: »Julian holt Marius zu Hause ab und die beiden treffen sich im Schwimmbad mit dessen Freundin.«
Satz A folgt den bisherigen Erklärungen: Es handelt sich um Julians Freundin, da das Possessivpronomen seiner auf das Subjekt des Satzes – Julian – verweist. Das Pronomen dessen in Satz B betont dagegen, dass es Marius’ Freundin ist, die die beiden im Schwimmbad treffen. Das liegt daran, dass sich deren/dessen immer auf das zuletzt genannte (grammatikalisch und sinngemäß) passende Substantiv – hier Marius – bezieht. Problematisch wird es also erst, wenn der Satz mehrere mögliche Bezugswörter enthält, da sich die Bedeutung je nach gewähltem Pronomen verschiebt.
A: »Die Nationalparks umfassen verschiedene Vegetationszonen und beherbergen ihre tierischen Bewohner.«
B: »Die Nationalparks umfassen verschiedene Vegetationszonen und beherbergen deren tierische Bewohner.«
Obwohl beide Sätze grammatikalisch korrekt sind, unterscheiden sich die Aussagen: Während in Satz A die tierischen Bewohner der Nationalparks gemeint sind, sind es in Satz B die tierischen Bewohner der verschiedenen Vegetationszonen.
A: »Das Vereinsheim bietet dem Bürgermeister und seinen Gästen genügend Platz.«
B: »Das Vereinsheim bietet dem Bürgermeister und dessen Gästen genügend Platz.«
Erneut zwei grammatikalisch einwandfreie Sätze, bei denen sich die Bedeutung jedoch unterscheidet, da durch die Pronomen seinen und dessen das jeweilige Bezugswort genau bestimmt wird. Hat der Bürgermeister zum Geburtstag ins Vereinsheim geladen, ist Satz B in diesem Kontext zu wählen.
Zusammenfassung und Fazit
Sowohl das Possessivpronomen ihr/sein als auch das Demonstrativpronomen deren/dessen geben einen Besitz bzw. eine Zugehörigkeit an. Hierbei geht es ausschließlich um die dritte Person (er/sie/es, man, sie).
Das Possessivpronomen ihr/sein wird standardmäßig verwendet und bezieht sich auf das Subjekt des Satzes.
»Er trifft sich mit seiner Schwester.«
Das Demonstrativpronomen deren/dessen nutzen wir dagegen in Sätzen, in denen mehrere mögliche Bezugswörter vorkommen, sodass der Bezug nicht auf den ersten Blick klar ist. Da sich deren/dessen immer auf das zuletzt genannte (grammatikalisch und inhaltlich) passende Substantiv bezieht, lässt sich das Besitzverhältnis problemlos feststellen.
Dies wird anhand der folgenden Sätze deutlich:
»Der Landwirt sammelt Spenden für das Tierheim und seine Tiere.«
Die Tiere gehören dem Landwirt, er sammelt Geld sowohl für das Tierheim als auch für seine eigenen Tiere. Passender ist vermutlich jedoch:
»Der Landwirt sammelt Spenden für das Tierheim und dessen Tiere.«
Der Landwirt sammelt das Geld für das Tierheim und die Tiere, die dort leben.
Es zeigt sich, dass der Kontext eine entscheidende Rolle spielt. Obwohl beide Sätze für sich grammatikalisch korrekt sind, ändert sich die Satzaussage abhängig vom verwendeten Pronomen.
Ausgehend vom Einleitungstext können wir sagen, dass die Katze der Nachbarin, also ihre Katze, für die Kratzer verantwortlich ist. Da es nur einen möglichen Bezug gibt – nämlich die Nachbarin –, ist die Sache einfach. Fährt die Freundin der Nachbarin mit in den Urlaub, müssen wir genauer hinschauen. Zum Glück wissen wir jetzt, wie wir das kontextabhängig richtig ausdrücken.
FAQ
Wann benutze ich das Possessivpronomen ihr/sein?
Das Possessivpronomen ihr/sein drückt einen Besitz mit einem Bezugswort in der dritten Person aus. Es bezieht sich auf das Subjekt des Satzes.
Sie füttert ihre Katze.
Wann benutze ich deren/dessen?
Kommen in einem Satz mehrere Bezugswörter infrage und soll der Besitz eindeutig einem Bezugswort zugeordnet werden, nutzen wir das Demonstrativpronomen deren/dessen, da es sich immer auf das zuletzt genannte Substantiv bezieht.
Die Architekten planen mehrere Wohnungen für die Anwohner und deren Bedürfnisse.
Ist es immer erforderlich, deren/dessen zu verwenden?
Das Demonstrativpronomen deren/dessen hilft dabei, Besitzverhältnisse in einem Satz eindeutig festzulegen, wenn mehrere mögliche Bezugswörter im Satz vorkommen. Verwendet man ausschließlich ihr/sein kann sich die Aussage eines Satzes verschieben oder völlig falsch sein. Daher ist es sinnvoll, deren/dessen an den passenden Stellen zu nutzen.
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